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Das Knurren verrät die Körpergröße des Hundes

Tamás Faragó, Péter Pongrácz, Ádám Miklósi, Ludwig Huber, Zsófia Virányi, Friederike Range

Können Hunde akustische Informationen verwenden, um etwas über andere Hunde herauszufinden? Können sie die Körpergröße eines anderen Hundes einschätzen, wenn sie nur dessen Knurren hören?

Mehrere Studien weisen darauf hin, dass Hunde, genau wie Primaten, eine mentale Repräsentation eines Individuums formen, wenn sie vorher Rufe dieses Individuums gehört haben. Hunde können diese mentale Repräsentation dann mit anderen Charakteristiken des Individuums verbinden, die sie z.B. direkt visuell erkennen können. Vor kurzem wurde herausgefunden, dass das Knurren bei Hunden kontext-spezifisch ist und Informationen über die Größe des knurrenden Hundes enthält. Ob Hunde diese Informationen aber auch wahrnehmen und verstehen können, war bis jetzt noch nicht klar. In diesem Experiment testeten wir, ob Hunde die Körpergröße eines anderen Hundes einschätzen können, wenn sie das Knurren hören während ihnen gleichzeitig zwei Fotos von Hunden mithilfe einer Videoprojektion gezeigt wurden. Eines der zwei Bilder hatte genau die Größe des Knurrenden Hundes, das andere Bild war entweder 30% größer oder 30% kleiner. In mehreren Kontrollgruppen wurden nur Geräusche anstatt des Knurrens oder die Bilder von Katzen oder geometrischen Figuren (Dreiecken) verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass Hunde schneller und länger zu den Hundebilder schauten, die der Größe des knurrenden Hundes entsprachen. Keine solche Präferenz wurde in den Kontrollen gefunden, was darauf hinweist, dass Hunde eine mentale Repräsentation des Hundes haben, wenn sie sein Knurren hören.

Faragó, T., Pongrácz, P., Miklósi, Á., Huber, L., Virányi, Z., & Range, F. (2010) Dogs' Expectation about Signalers' Body Size by Virtue of Their Growls. PLoS ONE 5(12): e15175


Testen der Assoziativen Sequenz Lerntheorie

Friederike Range, Ludwig Huber, Cecilia Heyes

Die Assoziative Sequenz Lerntheorie (ASL) sagt vorher, dass die Genauigkeit vom Nachahmen einer demonstrierten Sequenz abhängig ist von der Anzahl der vorher ausgeführten Komponenten der Sequenz. Eine Assoziation zwischen den visuellen und den motorischen Komponenten ist also notwendig für Imitation. Wir haben eine Box mit einer Schiebetür konstruiert, die vom Hund entweder mit der Pfote oder der Schnauze geöffnet werden kann.

Nachdem Hunde in einem vorausgehenden Training gelernt hatten, eine Schiebetüre entweder mit dem Kopf oder mit der Pfote zu öffnen, wurde ihnen eine Diskriminierungsaufgabe gegeben: sie wurden dafür mit Futter belohnt, wenn sie die Tür mit der gleichen Methode (Kopf oder Pfote) öffneten, mit der es ihre Besitzer vorzeigten (kompatibel), oder mit der alternativen Methode (inkompatibel). Die inkompatible Gruppe, die ihre Besitzer eben nicht imitieren durfte um eine Belohnung zu bekommen, brauchte mehr Durchgänge als die kompatible Gruppe um das Kriterium zu erreichen, nachdem sie die beiden Methoden diskriminieren konnten (85% korrekt). Das deutet darauf hin, dass Hunde - ähnlich wie Menschen - einer "automatischen Imitation" unterworfen sind; sie können die Tendenz, die Benutzung des Kopfs oder der Pfote zu imitieren, nicht unterdrücken.

In einem nachfolgenden Transfertest, in dem nun alle Hunde die Kopf- oder Pfotenaktion ihres Besitzers nachmachen mussten um eine Futterbelohnung zu bekommen, machte die inkompatible Gruppe mehr Fehler als die kompatible Gruppe, weil sie ihre Besitzer manchmal nicht imitierten. Diese Ergebnisse stimmen mit dem ASL Lernmodell überein, das besagt, dass die Entwicklung von Imitation von den sensomotorischen Erfahrungen und den phylogenetisch allgemeingültigen Mechanismen des assoziativen Lernens abhängt. Genauer betrachtet scheinen die Ergebnisse zu zeigen, dass Imitationsverhalten bei Hunden stärker von den Interaktionen mit Menschen in ihrer Entwicklung geformt wird als von dem evolutionären Wirken der Domestikation.

Range, F., Huber, L. & Heyes, C. (2011) Automatic imitation in dogs. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences 278 (1703), 211-217.

 


Die Fähigkeit des Nachahmens bei Hunden

Andrea Szucsich, Friederike Range, Ludwig Huber

Das Ziel der vorliegenden Arbeit war es zu untersuchen, ob ein Hund (Canis familiaris) imstande ist, einzelne Aktionen, welche von einem menschlichen Demonstrator bzw. einem Demonstratorhund vorgezeigt werden, auf Befehl nachzuahmen. Meine Arbeit basiert auf den Experimenten von Adam Miklosi, und seinem Team, mit dem Behindertenbegleithund Philip. Philip ist es möglich, auf verschiedene Aktionen von Menschen mit der korrekten, korrespondierenden Aktion zu antworten. In meiner Studie verwendete ich ebenfalls das "Do as I Do" - Kommando. Der Hund hat zum Lösen der Aufgabe keine anderen Hinweise, als die Aktion, welche er vorher beobachten konnte.

Das Subjekt meiner Arbeit ist meine zweijährige Weimaranerhündin Joy. Zuerst wurde Joy darauf trainiert, 8 vom Besitzer demonstrierte Aktionen, auf das Kommando "Do it!" zu wiederholen. Danach wurde Joy von einem anderen Menschen und auch von einem Demonstratorhund getestet. Später wurden auch neue Aktionen und Sequenzen in die Tests integriert, welche vorher noch nie verwendet wurden. Joy konnte das "Do it!" -Kommando sowohl auf einen neuen Demonstrator (Mensch und Hund), als auch auf neue Aktionen übertragen. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Hunde die Fähigkeit zur Imitation besitzen.

Huber L., Range F., Voelkl B., Szucsich A., Virányi Zs, Miklósi A. (2009) The evolution of imitation: what do the capacities of non-human animals tell us about the mechanisms of imitation? Philosophical transactions of the Royal Society of London. Series B, Biological sciences. 364(1528):2299-309.

 


The effect of human communication on dogs’ social learning

Friederike Range, S. Heucke, C. Gruber, A. Konz, Ludwig Huber, L. & Zsófia Virányi

Lernen Hunde besser durch die Beobachtung von Menschen oder durch die Beobachtung von Hunden? Erleichtert es ihr Lernen, wenn man ihre Aufmerksamkeit auf die Demonstration zieht, wie es beim menschlichen Lehren üblich ist?

Im Gegensatz zum tierischen Beobachtungslernen (z.b. wenn Hunde durch die Beobachtung eines anderen Hundes lernen) lehren Menschen typischerweise, indem sie die Aufmerksamkeit ihres Schülers aktiv auf sich ziehen. Auch wenn Menschen Hunde trainieren, tendieren sie dazu, ihre Aufmerksamkeit auf eine ähnliche Wiese zu leiten. Hier untersuchen wir die Fähigkeiten von Hunden, von anderen Hunden oder Menschen eine manipulative Aufgabe zu lernen. Die Demonstratoren zeigten vor, welchen Teile einer Box man manipulieren musste, um an eine Futterbelohnung zu kommen. Wir variierten den kommunikativen Kontext, sowohl während der Hunde- als auch während der Menschen-Demonstration: ein zweiter Experimentator versuchte entweder die Aufmerksamkeit des zusehenden Hundes auf die Demonstration zu ziehen (Kondition: dog/human ostensive demonstration) oder er blieb stumm (Kondition: dog/human non-ostensive demonstration). Darüber hinaus untersuchten wir, ob das Trainingsniveau der Hunde (gut trainiert vs. nicht trainiert) einen Einfluss darauf hat, wie gut die Hunde die manipulative Aufgabe nach den Demonstrationen selbst ausführten.

Wir fanden, dass besser trainierte Hunde signifikant besser im Lösen des Problems waren. Beim beobachten waren sie aufmerksamer gegenüber dem Menschen als gegenüber dem Hund. Solch einen Unterschied in der Aufmerksamkeit gab es bei den untrainierten Hunden nicht. Trotz kleiner Unterschiede in der Aufmerksamkeit gegenüber den verschiedenen Demonstratoren, hatte die Anwesenheit sowohl des Hundes als auch des Menschen einen gleichen Effekt auf das Abschneiden des Beobachterhundes im Test. Jedoch wurde die Effektivität der Demonstrationen signifikant von dem versuchten Leiten der Aufmerksamkeit durch den zweiten Experimentator reduziert.

Range, F., Heucke, S., Gruber, C., Konz, A., Huber, L. & Virányi, Z. (2009) The effect of ostensive cues on dogs’ performance in a manipulative social learning task. Applied Animal Behaviour Science, 120, 170-178

 


Selektive Imitation bei Hunden

Friederike Range, Zsófia Virányi, Ludwig Huber

Die Weitergabe von menschlichem kulturellem Wissen verlangt, dass relevante Informationen erkannt und dann nachgeahmt werden.  Schon sehr kleine Kinder sind mit der Fähigkeit ausgestattet, die wichtigste Information von einer Demonstration zu erkennen. Diese Fähigkeit basiert auf einem  Verständnis von Effizienz  und einem speziellen Kommunikationssystem, das weder Sprache noch hohes Niveau im Verständnis des Geistes voraussetzt.

Ein Beispiel, wo Kinder beide Prozesse gleichzeitig nutzen, zeigt sich bei der selektiven Imitation. Kleinkinder imitieren eine ineffiziente Methode nur dann, wenn die Situation des Modells die Methode nicht erklärt und falls die Demonstration in einer Lern-Atmosphäre mit Kommunikation durchgeführt wird. Effizienz und Sensibilität gegenüber sozialen Hinweisen von Menschen wurden auch schon bei Hunden gezeigt.

Ob Hunde jedoch auch beide Prozesse gleichzeitig anwenden und sich so vergleichbar verhalten würden wie Kinder in Bezug auf die selektive Imitation, ist noch unklar. In dieser Studie zeigen wir, dass Hunde, vergleichbar zu Kleinkindern, selektiv die ineffektivere Methode nur dann nachahmen, wenn die Situation die Wahl der Methode nicht erklärt. 

Range, F., Virányi, Zs. & Huber, L. (2007)
Selective imitation in domestic dogs. Current Biology, 17:868-872.

 


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